Fachkräftemangel im Handwerk 2026: die Zahlen von ZDH und Bundesagentur für Arbeit
Der Fachkräftemangel im Handwerk lässt sich inzwischen mit zwei belastbaren Zahlen beschreiben: Rund 250.000 Stellen sind offen, und eine ausgeschriebene Fachkraftstelle bleibt in Deutschland im Schnitt 173 Tage unbesetzt. Für Handwerker mit Gesellenbrief bedeutet das eine Verhandlungsposition, die es so lange nicht gab.
Kerndaten: Was ZDH und Bundesagentur für Arbeit ausweisen
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks beziffert die Lücke auf seiner Seite zur Fachkräftesicherung so: „Insgesamt sind derzeit geschätzt rund 250.000 Stellen im Handwerk offen." Der ZDH weist zugleich darauf hin, dass die tatsächliche Zahl höher liegen dürfte, weil viele Betriebe offene Stellen gar nicht erst melden. Nach Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung gibt es bereits seit 2015 mehr offene Stellen in handwerklichen Berufen als arbeitslose Handwerkerinnen und Handwerker.
Die zweite Zahl kommt aus der Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit, veröffentlicht im Mai 2026. Sie identifiziert 157 Berufe als Engpassberufe und weist für eine offene Fachkraftstelle eine durchschnittliche Vakanzzeit von 173 Tagen aus. Ein Beruf gilt dort als Engpassberuf, wenn die Vakanzzeit deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Mittel liegt und rechnerisch weniger als 2,5 Arbeitslose auf eine offene Stelle kommen.
Diese Vakanzzeit ist die eigentlich entscheidende Größe. Wenn ein Elektrobetrieb eine Stelle ausschreibt und sie erst nach knapp sechs Monaten besetzen kann, verschiebt er in dieser Zeit Projekte, lehnt Aufträge ab und zahlt Überstunden an die bestehende Belegschaft.
Welche Gewerke sind am stärksten betroffen?
Der Druck ist flächendeckend, aber die Bauberufe stechen heraus. Die Bundesagentur für Arbeit weist für den Zeitraum Februar 2025 bis Januar 2026 folgende Vakanzzeiten aus, alle deutlich über dem Schnitt von 173 Tagen:
- Aus- und Trockenbau: 300 Tage.
- Klempnerei sowie Sanitär, Heizung und Klimatechnik: 295 Tage.
- Bodenverlegung: 292 Tage.
- Hochbau: 281 Tage.
Für die SHK-Gewerke heißt das konkret: Eine Stelle bleibt dort im Schnitt fast zehn Monate offen. Treiber ist die Wärmewende, also Wärmepumpeninstallationen, Fernwärme-Anbindungen und Sanierungspflichten, während die Zahl der Auszubildenden in diesem Gewerk nicht im gleichen Tempo mitgewachsen ist.
In der Elektrotechnik konzentriert sich der Engpass auf Ballungsräume und auf Spezialisierungen in Photovoltaik, Ladeinfrastruktur und Gebäudeautomation. [NEEDS SOURCE: Zahl der unbesetzten Stellen je Gewerk, Elektrotechnik und SHK]
Weitere stark betroffene Gewerke: Schreiner und Tischler im Innenausbau, Maler und Lackierer sowie Mechatroniker in der Kfz- und Industriewartung.
Was bedeutet das für Betriebe?
Die klassische Stellenanzeige auf einem der großen Portale funktioniert in den meisten Gewerken nicht mehr zuverlässig, und der Grund dafür steckt schon in den Zahlen oben: Wenn seit über zehn Jahren mehr Stellen offen sind als Handwerker arbeitslos, dann ist der Kandidat, den ein Betrieb sucht, in aller Regel gerade woanders angestellt und liest keine Stellenanzeigen.
Der entscheidende Fehler vieler Betriebe ist deshalb, auf aktiv Suchende zu warten. Gut qualifizierte Handwerker wechseln nur bei einem klar attraktiveren Angebot, und dieses Angebot muss sie über einen direkten, persönlichen Kanal erreichen, nicht über ein Formular.
Wer als Betrieb wissen möchte, was eine Vermittlung konkret kostet und wie sie sich gegen eine Vakanz von knapp sechs Monaten rechnet, findet auf unserer Kostenseite die vollständige Provision und die Garantiebedingungen.
Was bedeutet das für Handwerker?
Die Kehrseite des Fachkräftemangels ist eine starke Verhandlungsposition. Wer einen Gesellenbrief hat und Erfahrung mitbringt, kann in vielen Gewerken zwischen mehreren konkreten Angeboten wählen.
Als Orientierung für das eigene Gehalt taugt der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit: Für Elektroniker liegt der Median dort bei rund 3.395 € brutto im Monat, und der Atlas weist die Werte zusätzlich nach Region aus. Wer aktiv vergleicht, statt auf eine Gehaltserhöhung zu warten, verhandelt mit einer belegbaren Zahl statt mit einem Gefühl.
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Fazit
Rund 250.000 offene Stellen, 173 Tage durchschnittliche Vakanzzeit und 295 Tage in der SHK-Technik: Der Fachkräftemangel im Handwerk ist keine vorübergehende Erscheinung, sondern ein strukturelles Merkmal des deutschen Handwerksmarkts.
Für Handwerker heißt das, jetzt Angebote zu vergleichen und die eigene Position zu nutzen. Für Betriebe heißt es, Kandidaten dort anzusprechen, wo sie sind, statt darauf zu hoffen, dass sie sich melden.
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